Binokel Geschichte

Kartenspiele: Ein Zeitvertreib mit jahrhundertealter Tradition

Während Spielbretter, Spielsteine und Würfel bereits im Alten Ägypten und im Zweistromland bekannt waren, sind Spielkarten aus Papier bzw. Karton neueren Datums. Erstmals nachweisbar sind sie im 12. Jahrhundert für China und Japan. Von dort aus kamen sie über Indien, Persien und die arabische Welt nach Europa.

Hier finden sich erste Nachweise in den Gesetzesbüchern – so wird im Jahr 1377 in Florenz ein offizielles Kartenspiel-Verbot erlassen! Doch weder herrschaftliche Verbote noch die Verdammung des Kartenspiels vonseiten der christlichen Kirche zeigte Wirkung.

Die stete Verbesserung der Drucktechnik machte die vormals teuren Karten auch für das einfache Volk erschwinglich und führte so endgültig zum Siegeszug dieses Vergnügens in Europa. Da verwundert es nicht, dass auch die Steuerverwaltung ihren Teil einforderte: Bereits 1583 wurde in Frankreich eine erste Spielkarten-Steuer erhoben.

In Frankreich liegen vermutlich auch die Wurzeln des Binokel-Spiels, das heute nicht nur bei alteingesessenen Kartenspiel-Runden, sondern auch bei vielen jungen Leuten ein Revival erlebt – nicht zuletzt dank Online-Plattformen wie dem Spiele-Palast, wo sich jederzeit Binokel-Runden zusammenfinden können, ohne am selben Tisch sitzen zu müssen!

Was bedeutet eigentlich „Binokel“?

Das Kartenspiel Binokel ist mancherorts auch in der Namensvariante ‚Binocle‘ bekannt. Im Schwäbischen kennt man auch die Bezeichnungen ‚Benogl‘ bzw. ‚Benoggel‘.

Woher der Name des Kartenspiels stammt, lässt sich nur vermuten. Recht nachvollziehbar erscheint die Theorie, dass es sich um eine Verballhornung des italienischen Begriffs „bin oculi“ handelt. Das heißt auf Deutsch „zwei Augen“ und soll sich darauf beziehen, dass ein doppeltes Blatt verwendet wird: Hier ist jede Karte zwei Mal vorhanden.

Andere Herleitungen weisen direkt auf den französischen Begriff „binocle“. Dies war im 19. Jahrhundert die gängige Bezeichnung für eine – im Unterschied zum einglasigen Monokel – zweiglasige Brille. Auch hier ist ein Bezug zum doppelten Kartensatz zu vermuten.

Doppelter Kartensatz mit württembergischem Blatt

Apropos doppelter Kartensatz: Gespielt wird regulär mit 40 Karten, wobei jeder Kartenwert doppelt vorhanden ist. In den klassischen 4 Farben gibt es also jeweils 5 unterschiedliche Kartenwerte je Farbe: Daus (Ass, Alte, Sau), Zehn, König, Ober, Unter.

Traditionell wird Binokel mit dem württembergischen Blatt gespielt. Dabei handelt es sich um eine regionale Ausprägung des Deutschen Blatts. Kartenfans wissen, dass die Besonderheit hier in der Gestaltung der Könige liegt: Diese orientiert sich stark am französischen Blatt und stattet sie mit den dort üblichen Attributen wie Zepter und Reichsapfel oder Harfe aus.

Umgangssprachlich ist – gerade in Süddeutschland – vereinfacht vom Binokel- oder Gaigel-Blatt die Rede.

Binokel: Ein Klassiker unter den Stichspielen

Binokel gehört zur Familie der Stichspiele, die alle demselben Grundprinzip folgen: Einer der Spieler spielt eine Karte aus, die reihum von den anderen Spielern bedient werden muss. Der Spieler, der die höchstwertige Karte gespielt hat, gewinnt den Stich und somit die enthaltenen Punkte.

Die Wertigkeit der Karten, die Vorschriften zum Bedienen wie auch die Punktzählung unterscheidet sich von Spiel zu Spiel – und gerade in dieser Regelvielfalt liegt der Reiz klassischer Kartenspiele: Ein einfacher oder auch doppelter Kartensatz bietet nahezu unendliche Spieloptionen!

Die Verwandtschaft zu bekannten Stichspielen wie Skat, Doppelkopf & Schafkopf erleichtert den Einstieg ins Binokel-Spiel: Wer das Grundprinzip verstanden hat, findet sich schnell in die Binokel-Regeln hinein und lernt deren besonderen Reiz schnell schätzen!

Französische Vorfahren: Cinq-Cents & Bézique

Die Verwandtschaft mit anderen Stichspielen weist darauf hin, dass das Binokel selbstverständlich keine absolute Neuerfindung ist: Es ist – wie alle anderen Kartenspiele, die wir heute kennen – aus den Prinzipien und Regeln älterer Kartenspiele entstanden, die von experimentierfreudigen Spielern wieder und wieder abgewandelt wurden.

Wann und wo genau zum ersten Mal Binokel nach den heute bekannten Regeln gespielt wurde und wer diese festgelegt hat – diese Fragen lassen sich leider nicht zuverlässig beantworten. Schließlich wurde ja nicht sofort ein Regelbuch gedruckt und mit Datum versehen!

Verweise in historischen Quellen deuten jedoch darauf hin, dass das Binokel-Spiel im württembergischen Raum entwickelt wurde. Als Grundlage dienten dabei vermutlich zwei französische Kartenspiele: Cinq-Cents und Bézique.

Cinq-Cents ist auch als ‚Single Bézique‘ bekannt und gilt als Vorgänger des späteren Bézique-Spiels. Bézique wiederum ist ein Spiel für zwei Personen mit einfachem Blatt, das um 1860 herum vor allem in Frankreich und Großbritannien beliebt war – nicht zuletzt war auch Winston Churchill ein bekennender Fan dieses Kartenspiels! Das Regelwerk beim Bézique kennt bereits das entscheidende Feature, welches Binokel von anderen Stichspielen wie Skat oder Doppelkopf unterscheidet: die speziellen Kartenkombinationen, die Zusatzpunkte in der Wertung geben – bspw. 4 Asse, 4 Könige oder 4 andere gleiche Karten, weiterhin die ‚Hochzeit‘ (Mariage) von König und Dame sowie die ‚Bézique‘ von Pik-Dame und Karo-Bube.

Verwandte Spiele zwischen Nordsee und Mittelmeer

Das Bézique inspirierte nicht nur das Binokel, sondern auch zahlreiche ähnliche Stichspiele, die spezielle Kartenkombinationen mit Zusatzpunkten belohnen.

Zu nennen sind hier zum einen Sechsundsechzig und Schnapsen, die vor allem Bayern und im Gebiet des historischen Österreich-Ungarns verbreitet sind. Ebenso Jass bzw. Jassen, das in der Schweiz als Nationalspiel gilt und darüber hinaus vor allem im alemannischen Sprachraum bekannt ist – vom Elsass über den Süden Baden-Württembergs und Liechtenstein bis nach Vorarlberg und Südtirol.

In den Niederlanden sowie im Alten Land zwischen Hamburg und Stade dagegen ist die Variante Klabberjass bekannt.

Amerikanische Verwandtschaft: Pinochle

Mit den Auswanderern und Reisenden, die Europa in Richtung Westen verließen, wanderte auch das Binokel auch in die Vereinigten Staaten aus. Es war vor allem ein Spiel jüdischer und irischer Immigranten und wurde unter dem Namen „Pinochle“ bekannt – mancherorts auch als „Pinocle“ oder „Penuchle“. Gespielt wird es mit 2-4 Spielern, mit einem doppelten Blatt und leicht abweichenden Regeln. Das bekannte Grundprinzip von Reizen, Melden & Stechen ist jedoch auch beim amerikanischen Pinochle deutlich zu erkennen.

In manchen Spielbüchern findet sich auch die Ansicht, das amerikanische Pinochle habe sich direkt aus dem Bézique entwickelt und sei anschließend als Binokel nach Europa zurückgebracht worden.

Genug der grauen Theorie – hast du nicht Lust auf ein Spiel?

So interessant der Streit um die Urheberschaft für Kulturhistoriker sein mag – dem Kartenfreund kann es letztlich einerlei sein: Viel wichtiger ist doch, immer genügend spielfreudige Binokel-Partner zu finden, um einmal wieder so richtig schön Karten zu kloppen.

Und genau das ist im Spiele-Palast besonders einfach: Ob im Browser oder per App – hier findet sich fast immer eine Binokel-Runde zusammen! Also nicht lange zögern & ran an den Dabb!